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DEZ
2019

Sinneswelten im Tier- und Pflanzenreich

Im Rahmen des W-Seminars „Sinneswelten im Tier- und Pflanzenreich“ machten wir am 09.10.19 und am 16.10.2019 zwei Exkursionen zur Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU). Unser Ziel war die Fakultät für Biologie am Campus Martinsried.

Am 9. Oktober hielt uns die Privatdozentin Dr. Cordelia Bolle einen interessanten Vortrag zum Thema „Wie Pflanzen ihre Umwelt wahrnehmen“. Wir erfuhren, dass Pflanzen bis zu 15 Sinne haben und uns Menschen somit weit übertreffen. Die Sonnenblume zum Beispiel ist lichtempfindlich und richtet ihre Sprossachse immer nach der Sonne aus. Dagegen hat der Teufelszwirn einen ausgeprägten Geruchssinn und kann so sehr schnell eine geeignete Wirtspflanze zum Schmarotzen finden. Im Vortrag wurde zudem erläutert, dass Pflanzen die unterschiedlichen Reize sogar ohne Sinneszellen wahrnehmen können und wie sie das schaffen. Es wurde inzwischen auch gezeigt, dass jede Pflanzenart über teilweise divergente Abwehrmechanismen gegen biotische Stresse verfügen.

Nach der theoretischen Einführung durften wir auch selbst praktisch tätig werden. In zuvor vorbereiteten Versuchen wurden Samen von Senf und Ackerschmalwand unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen zum Keimen gebracht. Unsere Aufgabe war es nun, die Reaktion der beiden Pflanzenarten auf die verschiedenen Lichtverhältnisse auszuwerten. Unter Weißlicht konnten die Pflanzen am meisten grünen Farbstoff (Chlorophyll) bilden. Unter Blau- und Rotlicht war das Pflanzenwachstum nur sehr gering, während es bei Dunkelheit am größten war.

In der aktuellen Forschungsarbeit von Frau Dr. Bolle geht es um die Fragestellung, wie bestimmte Fotorezeptoren (Phytochrome) das Pflanzenwachstum beeinflussen. Hierfür werden neben dem Wildtyp genetisch veränderte Samen von Ackerschmalwand verwendet.

 

Am 16. Oktober haben wir einem Vortrag von Dr. Martin Heß,  Privatdozent im Bereich “Systematische Zoologie“,  zugehört. In seiner Forschungsarbeit „Architektur und Evolution der Sehsysteme im Tierreich“  versucht  er durch Strukturmerkmale des Sinnesorgans Auge Rückschlüsse auf dessen Leistungen zu ziehen. Dabei visualisiert er die Augen mithilfe von modernsten Methoden, wie  3D-Licht- und Elektronenmikroskopie.  Der Reihe nach werden die Arbeitsschritte Präparation, Imaging, Bildbearbeitung und Bildanalyse durchgeführt.

Diesen Arbeitsprozess führte er uns an verschiedenen Beispielen vor. So konnten wir einen Querschnitt des Auges eines Zebrafisches durch die digitalisierte Ansicht unterschiedlicher Mikroskope betrachten. Anschließend durften wir noch mehrere Labors besuchen, in denen die unter dem Mikroskop entstanden Bilder zu dreidimensionalen Modellen zusammengesetzt werden. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Computerprogrammen kann jede Struktur einzeln aber auch im Zusammenspiel mit anderen visualisiert und analysiert werden.

 

Insgesamt waren  es zwei sehr interessante Nachmittage, an denen wir einen kleinen Eindruck von Teilbereichen der Biologie-Forschung an der LMU gewinnen konnten. Wir bedanken uns für das Privileg, dass wir uns, in den sonst für Schüler unzugänglichen Labors des Campus, umzuschauen durften und für die Mühe und das Engagement von PD Dr. Cordelia Bolle und PD Dr. Martin Heß.

 

 

Marie-Sophie Barth, Q11 (Botanik), Leah Völkl, Q11 (Zoologie)