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MRZ
2014

Comeniusgruppe in Ungarn

Der Tag der Anreise (16.03.2014)

Die letzte Fahrt des Comenius Projekts beginnt. Diesmal gehen wir nicht in die Lüfte, sondern treffen uns um 9.00 am Hauptbahnhof in München. Es beginnt dann die siebenstündige Fahrt über Salzburg, Linz, Wien nach Budapest, auf der man schon die landschaftlichen Veränderungen vom österreichischen Hochgebirge bis hin zur ungarischen Tiefebene sehen konnte. Und immer wieder sieht man vom Zug aus die Donau – den Fluss, der uns ab Linz begleitet. Am Bahnhof wurden die Schülerinnen von ihren Gasteltern und den ungarischen Mädchen mit echter Herzlichkeit begrüßt begrüsst. Nach der langen, aber sehr abwechslungsreichen Zugfahrt waren wir  recht geschafft und froh, etwas früher ins Bett zu kommen. Und wir waren alle gespannt, was am anderen Tag in der Schule los sein würde. Denn das Programm, das wir bekommen hatten, bot viel Abwechslung und weckte die Neugierde.

Der erste Tag (17.03.2014)

Am Morgen trafen sich alle Teilnehmer im Gymnasium Patrons Hungrige und wir  wurden sehr herzlich von der Direktorin, Frau Rita Rubovszky, von Sr. Ildiko im Namen des Ordens und von Frau Matyas als Leiterin des Projekts begrüßt. Alle Länder stellten sich kurz vor, im Rahmen eines anderen Austausches waren noch Schüler aus Porto da – und sie wurden kurzerhand in das Projekt integriert. Und alle Jugendlichen fanden über alle Sprachbarrieren hinweg schnell Kontakt zueinander.

Am Mittag waren wir in der Kantine der Schule eingeladen und dann lernten wir Budapest kennen: Die Schüler bei einer Schnitzeljagd, die die ungarischen Schülerinnen mit vielen tollen Ideen vorbereitet hatten, die Lehrer bei einem vierstündigen ( !) Stadtrundgang, der einen ersten Eindruck von dieser großen und sehr prachtvollen Stadt gegeben hat. Am Abend wurden die Mádchen zum Bowlen mitgenommen und drehten auch noch den Schluss des Filmes, die Lehrer lernten viel über Anbau von Wein in Ungarn und auch etwas über die Esskultur dieses gastfreundlichen Landes. Müde, aber sehr zufrieden legten wir uns alle zur Ruhe.

2. Tag (18.03.2014)

Der Tag begann bei strahlendem Sonnenschein und die gesamte Truppe besuchte das Parlament in Budapest. Nachdem wir die Sicherheitsvorkehrungen überwunden hatten, erfuhren wir von einer sehr netten jungen Dame die wichtigsten Daten über diesen prächtigen, riesigen Bau, der 1896 zu den Milleniumsfeiern in Ungarn eröffnet wurde. Wir durften die Stefanskrone bewundern, im Plenarsaal etwas über die lange Geschichte Ungarns erfahen und dann viele Fragen stellen.

Nach dieser Führung begaben sich die Schülerinnen in bunt gemischten Gruppen auf eine neue Rallye durch den Pester Teil von Budapest. Um 14.30 bekamen wir ein typisch ungarisches Mittagessen in der Schulkantine (das Essen in Ungarn unterscheidet sich doch etwas von unseren Mahlzeiten. So gab es als Vorspeise ein kalte Kirschsuppe und dann ein deftiges Gulasch mit Essiggurken als Beilage – das ist ganz typisch für die ungarische Küche. Um 16.00 begann der bunte Nachmittag, an dem die Teilnehmer traditionelle Mode und dann auch neue Modetendenzen ihres Landes vorstellen sollten. Wir sahen wunderschöne Trachten aus Ungarn, Bulgarien und Estland, traditionelle Frauenkleider aus der Türkei, die norwegischen Schülerinnen schwitzten etwas in ihren dicken, bunten Pullovern und gestrickten Mützen. Die belgischen Schülerinnen hatten Skizzen von bekannten Designern aus Antwerpen nachgearbeitet und zeigten damit die neuen Tendenzen in der belgischen Mode. Es waren wunderschöne Kleidungsstücke dabei und man konnte sehen, wie stolz die einzelnen Länder auf ihre Traditionen sind. Die Modenschau wirkte fast professionell. Auch unsere verschiedenen Dirndl wurden sehr bewundert. Im Anschluss daran bekamen alle Gäste einen Einführungskurs in den ungarischen Csardas – sehr anstrengend und schweißtreibend – aber auch sehr völkerverbindend. Am Abend mussten sich alle etwas von den kőrperlichen Anstrengungen erholen.

Der 3. Tag (19.03.)

Der Vormittag war frei, so dass alle Schüler auf eigene Faust die Stadt anschauen konnten. Mittlerweile hatten wir uns schon daran gewöhnt, dass die Melodie der ungarischen Sprache wunderschön ist, aber sich der Inhalt nicht erschließen lässt. Ungarisch gehört nicht zu den indoeurpopäsichen Sprachen und deshalb gibt es ganz selten den Aha-Effekt, dass man ein Wort erkennt. Aber mit Deutsch oder Englisch kommt man ganz gut zurecht. Viele Schüler besuchten an diesem Tag die wunderschöne Markthalle, wo man die Spezialitäten Ungarns sehen, riechen und kaufen kann. Sehr schön ist auch die Hauptsynagoge der Stadt, die die größte ihrer Art in Europa ist.

Am Nachmittag wurde es dann richtig spannend, denn wir wohnten der Premiere unseres „Comenius-Filmes“ bei – es gab noch ein paar technische Schwierigkeiten, die aber sicher in der nächsten Zeit behoben werden können – gesamt aber erhält man einen sehr schönen Eindruck von den einzelnen Stationen, von den Schwerpunkten und von der Intensität unseres Comenius-Projektes. Die ungarischen Mädchen hatten sich eine enorme Arbeit gemacht und unter Zeitdruck diese Rohfassung hergestellt. Wir freuen uns schon jetzt, wenn wir die verbesserte Version der ganzen Schule vorstellen können.

Es gab keine Pause: Denn um 16.00 warteten schon SchülerInnen (zwischen 5 und 12 Jahre alt)  der Musikschule, die an dieses Gymnasium angeschlossen ist, um uns zu unterhalten. Und auch die Comenius-Teilnehmer mussten zeigen, was sie können. Es wurde gesungen, getanzt – uns fast alles in traditioneller Kleidung. Man sah eine musikalische Liebeserklärung aus Estland. Derwische aus Samsun, fast professionell bulgarische Tänze –  und auch wir boten eine kleine Gesangeseinlage, die sprachlich  ein bisschen schwierig war, denn „Drunt in da greana Au“ ist für den Rest Europas schwer zu singen. Aber es hat allen sehr viel Spaß gemacht. Und wer dann immer noch nicht müde war, konnte sich die Donaubrücken bei Nacht anschauen.

Der 4. Tag (20.03.)

Die Zeit verging wie im Fluge und allmählich machte sich Wehmut breit, denn wir wussten alle, dass das Projekt, das uns jetzt über zwei Jahre beschäftigt hat, sich seinem Ende zuneigte. Heute mussten wir früh aufstehen, denn bereits um 7.15 startete der Bus an der Schule, mit dem wir mehr von der ungarischen Landschaft sehen sollten.

Zunächst fuhren wir nach Hollókö (das heißt auf Deutsch: Rabenstein). Dort gibt es noch ein ursprüngliches ungarisches Dorf, das in seiner Gesamtheit zum UNESCO Kulturerbe gehört. Die Leiterin der Grundschule führte uns in einer wunderschönen Tracht, an der man zum Beispiel erkennen kann, ob eine Frau jünger als 35 Jahre ist, ob sie verheiratet ist oder schon Kinder hat, durch das Dorf.  In der Zwischenzeit wurde nur für uns der Backofen des Dorfes angeheizt und wir bekamen ganz frischgebackene „Langós“, die man wahlweise mit Knoblauchöl, Sauerrahm mit geriebenem Käse oder oder auch mit beidem essen kann. Jede Variation schmeckte wunderbar. Nach dieser Stärkung brachte uns der Bus nach Esztergom, der wichtigsten Stadt in der ungarischen Geschichte, in der der Hl. Stefan zum König gekrönt wurde. Esztergom liegt am Donauknie und damit wir wirklich die schönste Seite der Stadt sehen konnten, verließen wir kurz Ungarn und fuhren in die Slowakei, um von der Maria-Valeria-Brücke aus den Dom, der mächtig über der Donau steht, zu sehen. Informationen zu den Sehenswürdigkeiten hatten die ungarischen Mädchen vorbereitet und erzählten sie uns während der Fahrt. Auch hier gab es einen kleinen Imbiss und die Fahrt ging weiter nach Szentendre, einem kleinen Künstlerstädtchen, das auch wegen seines Marzipans berühmt ist.

Wieder zurück in der Schule, hörten wir dann noch im Rahmen der „Donnerstagskonzerte“ die Petite Messe Solenelle Giochanio Rossini. Während wir das alles genießen durften, war im Speisesaal der Schule das Abschiedsessen vorbereitet worden. Die Tische waren in den ungarischen Nationalfarben gedeckt, das Essen schmeckte wunderbar, auch wenn jetzt langsam die Zeit des Abschiednehmens gekommen war. Aber Europa ist (zumindest für uns) zusammengewachsen – Treffen sind auch weiterhin möglich und die sozialen Medien erleichtern die Kontakte.

Heimreise (21.03.)

Die Schülerinnen waren nochmals in der Schule, haben sich von allen verabschiedet und wurden dann von ihren Gastgeberinnen zum Zug gebracht. Budapest zeigt sich an einem frühlingshaften Tag noch einmal von seiner schönsten Seite. Neben aller Wehmut über das Ende des Projekts zeigt sich aber auch die Freude auf die Familien zuhause. Und die lange Zugfahrt eignete sich wunderbar, um sich ein bisschen von den doch recht anstrengenden Tagen in Ungarns Hauptstadt zu erholen.